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Tag 20 Fahrt nach Banjul

Schon weit vor Sonnenaufgang starten wir die Boliden, doch oh Schreck – bei uns ist das Limit wieder bei 1.500 U/Min. „xxx xxx xxxx“  hier stehen jetzt nicht jugendfreie Ausdrücke.

So fahren wir die ersten 50 km mit max 60 km/h, was bei einer erwarteten Kilometerleistung von >600 eine einfache Rechnung über die reine Fahrzeit ergibt. Wir werden von der Orga überholt und überzeugt, dass wir am Haken deutlich schneller sind. Falk mit seinem alten Mercedes-Transporter und der schnellen Achse ist ab sofort unser Antrieb … und was für einer. Wer schon mal 500 km mit der Abschleppstange in 1,25m Abstand mit Tempo 100 durch die Wüste gefahren ist , der weiß, was ich meine.

Nach spätestens 20 Minuten Fahrzeit ist der Puls wieder normal und man fügt sich, nichts außer einer blauen Wand vor sich sehend, in sein Schicksal. Speed-Bumpers, Dorfdurchfahrten, Schlaglöcher, Eselkarren als Geisterfahrer … hochkonzentriert nehmen wir die Herausforderung an und schaffen es bis zur Fähre nach Gambia.  Der Fahrer hat leider nicht viel von der Umgebung, daher wechseln wir uns bei jeder Möglichkeit ab.

 

Wir werden als Erste auf die Fähre gelassen, um ein möglichst großes Zeitfenster zur Umsetzung unserer letzten Idee zu haben: der Unterdruckkompressor auf der Lichtmaschine. Zufällig haben wir diese Komponente dabei. Hurtig den zentralen KFZ-Meister über unser Vorhaben informiert und so steht er ad hoc mit Rat, Tat und dem richtigen Werkzeug, sowie zwei geschickten Händen bereit, in der Dunkelheit, die Lichtmaschine zu wechseln. Klappt soweit gut. Alles tip-top, nur leider keine Verbesserung.

Auf gambischer Seite ist die DBO für den Tross verantwortlich und nimmt diese Verantwortung auch gleich wahr, indem sie uns ans Bergsteigerseil legt. Die Abschleppstange ist inzwischen anderweitig vergeben. Das ist zumindest mal eine Abwechslung. Der Transporter ist weiß, der Abstand wächst auf über 10 Meter an. Inzwischen ist es stockdunkel und die Herausforderungen ändern sich. Keine Chance, irgendwas am Straßenrand zu erkennen. Aaron im Zugfahrzeug kommuniziert per Funk ausreichend. Wir fühlen uns auf dem Laufenden. Alle paar Kilometer kommt eine Polizeikontrolle. Läuft soweit prima, bis bei einer Kontrolle Aaron offenbar sein Anhängsel vergisst. Der Prämisse folgend, das Seil immer straff zu halten, ist unser Abstand 12 m. Zur Erinnerung – wir fahren in absoluter Dunkelheit. Aaron wird durchgewunken und beschleunigt, was sein Sprinter so hergibt. Als der freundliche gambische Polizist uns anhalten will, pfeiffen wir mit Schulterzucken an ihm vorbei. Glück gehabt – normalerweise fackeln sie nicht lang und halten sich an die texanische Manier – erst schießen, dann fragen. Soweit klärt uns Aaron darüber via Funk auf.

Es geht gut aus. An einem Kreisverkehr versucht ein Einheimischer zwischen Aaron und uns zu kommen. Auf die Idee wäre er mit einer Abschleppstange nicht gekommen. Auch das geht – wir haben uns an Afrika gewöhnt – erwarte das Ungewöhnliche und du bist durch nichts mehr zu überraschen.

Ziel ist das Blue Kitchen – das DBO-eigene Restaurant. Wir werden mit Bier vom Fass und Spaghetti Bolognese erwartet. Perfekt. Inzwischen ist es weit nach Mitternacht. Nun nur noch das Hotel gefunden. Das stellt sich als Schwierigkeit heraus.  Wir finden es nicht, das Internet auch nicht … und die Aboriginees kennen es nicht. Ans Telefon geht auch niemand. Die Kollefgen, die da schon mal übernachtet haben irren auch suchend umher.  Was um alles in der Welt haben wir da reserviert ?

Alternativ gehen wir zum Lemon Creek, das Ressort, in dem die meisten untergebracht sind. Leider ist die Reservierung aufgehoben worden und so stehen viele Teams mit langen Gesichtern rum.

Erstmal ein wenig das Internet nach Alternativen befragen, dann wird nach Abzug der verunsicherten Teams der Security-Manager angesprochen. Er hilft uns das Bamboo-Guest-House zu finden. Es stellt sich raus, dass er es gar nicht kennt und nur helfen will. Er fragt irgendwelche Jungs in der Dunkelheit und schon sitzen zwei Schwarze auf dem Beifahrersitz um bei der Suche zu helfen. Wenige Offroadkilometer später wird die Suche abgebrochen und es geht zurück ins Lemon Creek. Die Suche im Nachbarhotel nach einem Zimmer bleibt erfolglos. Schließlich ist es wieder Omar  der uns freundlich und kompetent an der Rezeption vorbei ein Appartement für eine Nacht organisiert – Freunde muss man haben. Manchmal muss man einfach Glück haben.

Mit Meeresrauschen schlafen wir in einem sauberen Zimmer todmüde und frisch geduscht ein – Gute Nacht –  John-Boy

Tag 19 Basteln in St. Louis

 

Aufstehen, zügig Frühstücken und ab zum Patienten. Während Kevin und Rafael mit der Energie der Jugend bis morgens 4.30 Uhr die gerissene Ölwanne des Omega ausgebaut, gedremelt und geklebt haben, fühlen wir uns auch motiviert.  

Neue Idee – die Unterdrucksteuerung. Also wird da mal alles getrennt, mit Druckluft geblasen, gesaugt, gestöpselt, … alles ohne Erfolg. Dann noch kurz das Abschaltventil gespült …

Auch wiederholte Unterstützung aus Deutschland bringt uns nicht näher. Wir überbrücken den zentralen Unterdrucksensor, um so generell dem System vorzugaukeln, dass alles i.O. ist. Es lässt sich nur bedingt verschaukeln. Immerhin erreichen wir so, dass die Drehzahl von 1.500 auf 2.800 U/Min hochgeht. Gemeinsam mit Austausch des Luftfilters scheint uns das eine Möglichkeit, die restlichen  läppischen 600 km durch Wüste, über den berüchtigten Gambia-Damm und die Fähre, aus eigenem Antrieb zu schaffen. Zufrieden mit dem Ergebnis bauen wir das Auto wieder zusammen und beschließen, den Rest des Tages in der Hotelanlage zu verbringen und den Pool zu testen – ich im Wasser, Micha im Schatten unter der Palme. Ja, so geht es uns gut – andere fahren nach St. Louis hinein und berichten unterschiedliches. Wir bringen die Energie dazu nicht auf und suchen stattdessen den Schatten.

Abends finden sich die meisten im Umkreis der Poolbar wieder und wir betreiben Malaria-Prophylaxe (Ginger-Ale) bis tief in die Nacht. Start am Folgetag ist 6 Uhr, d.h. aufstehen um 5 Uhr. Über das wie legen wir das Mäntelchen der Barmherzigkeit. Vor uns liegt der fahrtechnisch aufwändigste Tag mit geplanten 16 Stunden.

Tag 18 auf nach St. Louis

Der Tross sammelt sich früh morgens und fährt einmal quer durch Nouakchott. Falk – der den Weg weist – führt die Fahrzeuge über Abkürzungen durch die letzten Gassen. Nach 30 Minuten erreichen wir den vereinbarten Treffpunkt, um die Hotelschläfer aufzusammeln.

Schon da merke ich, dass unsere opulenten 100 Diesel-PS heute morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden sind. Ein paar schlafen noch aus … und es legen sich auf der Strecke immer mehr zum Schlafen. Die Strecke wird heiß – 42 Grad im Schatten – aber wo bitte gibt es schon Schatten in der Wüste ? Unser Luxus-BMW zeigt sogar 46 Grad an.

Bei einem Halt gehen wir auf Fehlersuche. Zunächst liegt nahe, dass wir minderwertigen Diesel getankt haben. Also werden Filtersystem überbrückt, Diesel aus zuverlässiger Quelle in eine Wasserflasche gefüllt und geprüft – leider war das nicht die Ursache. Alle Leitungen werden mit Druck gegengespült – sind durchgängig. Der Turbolader wird freigesetzt, um seine Wirkung zu prüfen – er wirkt. Ein donnernder Orkan im Motorraum bestätigt das. Tja, nun ist guter Rat teuer. Uns gehen die Ideen aus (liegt bestimmt auch an den bei 42 Grad ausgetrockneten Synapsen). Die Suche dauert nun schon über eine Stunde. Viele helfende Hände tragen uns – Struktur wird reingebracht, kompetente Unterstützung via Whatsapp aus Deutschland eingeholt … leider ohne Erfolg.

So humpeln wir mit dem waidwunden Maverick weiter. Der Tross schließt sich unserem ressourcenschonenden Tempo mit knapp 60 Spitzengeschwindigkeit an. So erreichen wir St. Louis mit gemischten Gefühlen spät in der Nacht. Wir freuen uns über ein Hotelzimmer mit Dusche und kochen noch einen Snack auf dem Parkplatz. Die Gedanken kreisen um die Fehleranalyse und nehmen wesentlichen Raum ein.  Vor uns liegt ein Ruhetag, den wir nochmals nutzen wollen. Nach dem bisher anstrengendsten Tag schlafen wir schnell ein und hoffen auf den erlösenden Traum mit der zündenden Idee.

Tag 17 ausruhen in Nouakchott

Wir nutzen den Tag, um mal entspannt in die Stadt zu cruisen. Der Einstieg ist schnell gemacht – wir fahren auf der Prachtallee Richtung Stadtmitte. Sukzessive wird diese an jedem Kreisverkehr enger – von gefühlten 6 Spuren reduziert sie sich am ersten Kreisverkehr (schön animiert mit Delfinen) auf 4 Spuren, danach ist der Kreisel von  einer überdimensionalen Teekanne geprägt … und bevor es zu den eigentlichen Highlights geht, wird der Kreisverkehr mal einfach durch einen großen Berg Müll in der Mitte symbolisiert – kann man auch so machen.

Was uns dann erwartet, lässt uns im wirklichen Sinn des Wortes, den Atem stocken. Um durch das Gewirr der winzigen Straßen zu gelangen (Bodenbelag Sand, Staub und Müll), ist eine Ausbildung zum Apnoe-Taucher von Vorteil. Wir befinden uns zum Zeitpunkt des Wendens noch ca 1,5 km vom Fischmarkt entfernt, aber auch unsere inzwischen akklimatisierten Schleimhäute verweigern die Weiterreise. Wusstet ihr, dass es ohne Weiteres geht, 3 Minuten die Luft anzuhalten ???

Beeindruckend hingegen sind die handwerklichen Leistungen am Wegrand: Operationen am offenen Motor, Reifenmontagen, Schreiner- und Schlosserwerkstätten, sowie ‚offene‘ Metzgereien und Fischhändler. All dies in einem Gewirr aus Autos, Taxis, Fahrrädern, Fußgängern, Mopeds und Eselkarren. Diese sind meistens mit einem Esel versehen. Einzelne Renngespanne haben zwei oder gar drei Esel vor dem Wagen – aus Michas Sicht einfach „übermotorisiert“.

Am Rückweg zum Campingplatz nutzen wir – der Seriosität wegen – eine offizielle Tankstelle. Micha wird von einem in – sagen wir mal – Engelskostüm gekleideten jungen Mann angesprochen. Offensichtlich sind Männer mit Bärten bevorzugt. Was für ein Glück, dass ich quasi frisch rasiert war. Mein Job war es, den eigentlichen Tankvorgang zu begleiten. Das lief unaufgeregt. Die Umrechnung in Euro hingegen war ein Akt für sich. Final kann gesagt werden, dass wir für einen Tank voll Diesel – oder was man in Mauretanien dafür hält – 10 EUR mehr bezahlen, als in Landeswährung. Naja – Lektion gelernt. Immer noch deutlich billiger als in Deutschland.

Es geht zurück zum Campingplatz, an dem wir Vollpension gebucht haben. In der Außenküche wird seit den Morgenstunden gebrutzelt und wir genießen das Essen (obwohl wir den Köchen bei der Lagerung des Fisches und der Zubereitung zugesehen haben). Die Kühlkette bei Frischwaren wird eingehalten – durchgängig 38 Grad stellen eine gleichbleibende Qualität sicher.

Spannend sind die Verhandlungen mit dem mitgereisten Souvenirverkäufer unseres Vertrauens. Ich erstehe ein paar Dinge, deren Preise vorher absolut absurd sind, bei mir erträglich…Und je näher der Abreisezeitpunkt rückt, umso günstiger werden die Waren bis zum Totalausverkauf.

By the way vermittelt er auch hübsche Mädchen in Nouakchott. Schnell erkennt er, dass er damit bei uns nicht landen kann.

Sehr gerne nimmt er Geschenke für seine Kinder an. Anfangs – an der versteckten Düne (wir erinnern uns, er ist uns tatsächlich nachgereist!) hatte er zwei, inzwischen sind es sieben. Unglaublich, die Fruchtbarkeit der Mauretanier … ;-)) Wie die Meisten, freut er sich über Kugelschreiber, und so bauen wir für einen ungeplanten Anstieg der Geburtenrate vor und geben ihm 12 Kugelschreiber.

Abends noch nett zusammen gesessen beim üblichen Glas Wein und dann heißt es wieder ‚gute Nacht – John-Boy‘

Tag 16 Nouakchott oder das Chaos hat einen Namen

Gemütliches Ausschlafen am Ruhetag ist angesagt. Da wir all inclusive gebucht haben, ist auch das Frühstück inkludiert. Es entspricht minimalsten Anforderungen,  aber auch nicht mehr.  Danach machen wir das, wovor wir uns die ganze Tour gefürchtet haben: Das Auto komplett ausräumen, entrümpeln und strukturiert einräumen. Tatsächlich ist deutlich mehr Platz hinterher. Mit unserem Tagwerk zufrieden fahren wir nach Nouakchott, um etwas Sightseeing zu betreiben und zu tanken. Je weiter wir reinkommen,  umso schlechter wird die Straße und umso ärmer die Gegend. Fahrzeuge bewegen sich hier gegen die Gesetze der Physik.

Autos, die der Schrottpresse nach dem Pressvorgang entsprungen sind, säumen die Straßen, genauso wie total überladene Eselkarren. Müll und Dreck soweit das Auge reicht. Rote Ampeln sind allenfalls eine Empfehlung, Fahrspuren gibt es sind aber nicht wichtig und auch die Fahrtrichtung muss nicht überbewertet werden. Die Verkehrsteilnehmer sind zahlreich, fröhlich und unbekümmert. Auch die überladnenen Esel ziehen munter an den Werkstätten vorbei und stören sich nicht an den Fahrrädern, Dreirädern, Mopeds und Autos. Wir beschließen zu wenden.

Genug Eindrücke gesammelt. Am Ortsausgang lassen wir uns noch kurz beim Tanken übers Ohr hauen und dann nichts wie zurück zum Campingplatz. Gerade rechtzeitig, denn das Essen ist fertig. So verbringen wir den Nachmittag am Strand und chillen. Geht schon auch mal. Dabei versuchen wir unsere neu erworbene SIM Karte zu aktivieren. Bislang noch ohne Erfolg. So bleiben wir immer noch unerreichbar und werden unsere eifrig geschriebenen Blogs nicht los. 

Tag 15 runter vom Strand

Nachdem  wir auf Ebbe warten müssen, ist ein gemütlicher Start in den Tag angesagt. 10 Uhr gibt’s Briefing, vorher jedoch haben sich die Org’s- so wird hier die Organisation genannt – ein nettes Unterhaltungsprogramm einfallen lassen: Es beginnt mit einem Schwarm dicht über dem Wasser fliegenden Pelikane.

Danach folgt eine Vielzahl an Delfinen, die weit aus dem Wasser springen. Noch nicht genug damit – es werden Orkas gesichtet. Bei so viel Reality-TV im HD kommt natürlich das Rasieren zu kurz. Mann muss auch mal Opfer bringen können. Als Comedy-Einlage kommt hoch über dem Strand ein Zelt angeflogen und landet unerreichbar auch für geübte Schwimmer im Atlantik. Pech gehabt, denken wir. Doch schon naht die Rettung in Form eines einheimischen Fischerbootes. Nicht ganz Baywatch, aber zielorientiert und erfolgreich.  Nun wird  noch der Strandabschnitt gesäubert. Es kommen große Mengen Plastikmüll zusammen. Wir identifizieren es i.W. als Fischereiabfälle: zusammengeknotete Kanister, Netze, Schöpfeimer und Wasserflaschen. Das gibt mal ein lustiges Feuerchen. Und man sieht  – mit ein wenig Einsatz von allen sieht der Strand zumindest übergangsweise ganz passabel aus. Nach erfolgreichem Ausgraben der Autos ist der Start auf den Strand dann gegen 14.30 Uhr. Das fahren auf dem Sand fordert von den Autos doch einiges ab. Mit reduziertem Luftdruck im weichen Sand muss jeder seine Technik entwickeln. Doch es geht gut voran und wir verlassen 2 Stunden später den Strandabschnitt mit viel Hurra und schieben. Der Übergang ist extrem tief und nur mit richtig viel Schwung ohne Einsanden zu meistern. Verschiedene Techniken kommen zum Einsatz. Besonders hervorzuheben ist der fliegende Lupo, sowie die Fahrt am Drehzahlbegrenzer ohne Auspuff. Dagegen wird auch gezeigt, wie es völlig unspektakulär Material- und Ressourcenschonend geht. Alle kommen wieder raus und formieren sich zur Fahrt in der Dunkelheit zum Campingplatz. Nach 5 Tagen Wüste, Sand und Piste ist die Straße wieder ein ungewöhnliches Terrain. Zunächst mag bei uns der Allrad nicht mehr rausgehen. Etwas gutes zureden, ein paar deftige Hiebe auf den Schalthebel… und schon ist der Strassenmodus wieder aktiv. Auf dem Campingplatz – oder der Platz, den Mauretanier dafür ausgeben, erwartet uns direkt Abendessen. Einige – dazu gehöre ich auch – springen noch rasch unter die Dusche. Was für eine Wohltat. Dann essen und Zelt aufbauen, noch ein Gläschen Wein… Und es heißt wieder ‚Gute Nacht John-boy.

Tag 14 – fahren am Strand

Abfahrt ist bereits um 8 Uhr, d.h. 6 Uhr aufstehen, Geraffel im Dunkeln packen und dann noch einen gemütlichen Kaffee kochen. Hintergrund ist die Ebbe, die wir erwischen wollen, um auf dem Strand fahren zu können.

Zuvor geht es nur durch Sand. Mal weich, mal festgefahren und Autobahnähnlich – es gibt jede Form. Gegen Mittag gelangen wir ans Meer und machen 2 Stunden Pause. Durch die erfolgreichen Fahrtechniken bleibt kaum einer stecken und wir liegen gut in der Zeit. Die ersten Angelversuche werden betrieben und Muscheln gesammelt, die es hier in allen Formen, Farben und Größen zuhauf gibt. Häufig sind leere sehr große Schildkrötenpanzer zu sehen. Die Größte ist ca 80 cm lang. Die Vermutung liegt nahe, dass sie an den in Unmengen vorhandenen Plastikabfällen gestorben sind. Wir befinden uns im Nationalpark Mauretaniens – Spötter nennen ihn auch die einzige Müllkippe, für die Eintritt bezahlt werden muß. Beides verdient die Bezeichnung. Landschaftlich unglaublich reizvoll kommen wir, vor allem vor dem Auffahren auf den Strand, an unglaublichen Mengen Pastikmüll vorbei. Die Folien und Plastikflaschen verfangen sich in den einfachen Zäunen der Fischer und geben ein skurriles Bild ab. In der Nähe von Siedlungen laufen viele Kinder rum und betteln um Geschenke. Einmal angefangen, ihnen was zu geben (Stifte, Blöcke, Gummibärchen, Bälle, u.w.) weden sie immer zudringlicher und nehmen keine Rücksicht untereinander. Diese Bilder prägen sich ein. Nach 30 Minuten Geschenke verteilen schreiten unsere Miltärs ein und weisen sie an, Abstand zu halten, was diese auch respektvoll akzeptieren.

Nachdem dann die Ebbe einen Stand erreicht hat, bei dem sich der Strand problemlos befahren lässt, fahren wir bei der nächsten Auffahrt auf den Strand auf und formieren uns … nicht ohne vorher noch ein Briefing zu Fahrverhalten auf dem Strand zu erhalten. Es gibt keine Ausfälle oder Einsandungen und so kommen wir zügig voran bis zum geplanten Nachtquartier direkt am Meer. Noch schnell die Autos in die Dünen gefahren, ums sie vor der aufkommenden Flut zu schützen, und schon können es einige nicht mehr erwarten und springen ins Meer. Das tut gut nach ein paar Tage Katzenwäsche. Selbst unsere Militärbegleitung springt ins Wasser und genießt die Abkühlung. Verschiedene Freizeitaktivitäten werden gestartet: Angeln, Fußball spielen oder auch Waveboard fahren. Ja – richtig gelesen: funktioniert recht trivial. Man nehme ein Allrad-Fahrzeug und binde ein 30m Seil daran, an das sich der Waveboarder dann hängen kann. Den Start zwei oder dreimal geübt, funktioniert das dann recht gut. Zugegeben, es war kein Original Waveboard, sondern ein abgelegtes Snowboard – aber mit der richtigen Geschwindigkeit funktioniert das recht gut.

Danach kochen wir dann das in Spanien erworbene Fertig-CousCous und genießen die Meernähe. Ein paar Kleinstreparaturen stehen an, wie das verarzten unserer Campingstühle – sonst ist alles Bestens. Thorsten bringt noch aus dem Dorf frisch gebackenes Brot, das wir gerne zum Abendessen nehmen.
Etwas unsicher sind wir noch in der Sichtung eines Delfins – aber schon die dicht über der Wasseroberfläche dahinschwebenden Pelikane sind ein beeindruckender Anblick.

Tag 13 – Sand, nix als Sand und Steine

Der Wüstenwind treibt den feinen Sand durch alle Ritzen – selbst im Schlafsack findet sich Sand bei geschlossenem Zelt. In den Zähnen reibt der Sand, in den Ohren sitzt er. Doch man gewöhnt sich dran.

Wir frühstücken – Aldi sei Dank – frisch aufgebackene Bio-Vollkorn-Brötchen. Dazu wieder den Klassiker – Kaffee wie zu Großmutters Zeiten, mit dem einzigen Unterschied, dass ein kleiner Bodensatz Sand im Becher ist. Morgens ist es in der Regel so frisch, dass wir mit Jacken und Mütze unterwegs sind. Geht es dann auf 10 Uhr zu, scheint die Sonne unbarmherzig. Beim Fahren durch die Wüste müssen wir entscheiden – entweder etwas Fahrtwind und damit Sand im Auto oder Fenster zu (und der Sand kommt durch Ritzen und Lüftung). Wir nehmen die volle Packung. Schliesslich ist das Auto dafür gebaut. Es gibt im ganzen Auto keinen Ort, in dem sich der Sand nicht wieder findet.

 

Die Natur hält ständig neue Überraschungen für uns bereit. Vollmond und Sonne zugleich, fantastische Sternenhimmel, traumhafte Beleuchtung bei Tag und bei Nacht. Wir können uns nicht satt sehen. Die Bilder spiegeln nur einen Teil dessen wieder, was wir hier erleben.

Fahren durch die Wüste: nach dem Briefing zu Fahrtechnik und Kommunikation ist der Tross unterwegs. Tiefergelegte Fahrzeuge und Autos mit großen Plastikstoßstangen vorn und hinten sind etwas im Nachteil. Durch einen eigenen Fahrstil lässt sich der Nachteil, keinen Allrad zu haben, kompensieren. Besonders bewundern wir einen total überladenen Lupo, der jedoch durch einen 5mm Stahl-Unterfahrschutz alle Hemmungen verloren hat. Kaputt gehen kann nichts, also immer mit Vollgas rein – der Erfolg bestätigt die Vorgehensweise. Claudia hingegen hat am alten Toyota Carina gleich zu Beginn den Auspuff verloren (nicht ein bißchen, sondern komplett) und findet den Sound ihres Wagens, vor allem wenn er drehzahlmäßig an den Begrenzer geht, ´echt sportlich´.

Mit den Allradlern kommt man auf der gewählten Streckenführung gut durch und kann immer mal wieder seine Dienste beim Herausziehen anbieten. Alles in allem eine nette Sache, die Spaß macht.

Viel Strecke legen wir dabei allerdings nicht zurück – liegen aber immer noch gut im Plan, da die Fahrtechniken im Weichsand sich entwickeln, so dass wir es tatsächlich schaffen, den ganzen Tross ohne Einsandung über eine mehrere Kilometer lange Weichsandstrecke zu bugsieren.

Es gibt eine zweistündige Mittagspause, bei der wir erstmals unser mitgebrachtes Wohnwagen-Sonnensegel testen können. Ein voller Erfolg. So genießen wir den Apfelsaft aus heimischen Streuobstwiesen aus dem Kühlschrank.

Abends wird die Arbeit geteilt – ich gehe mit Roland die mauretanische

Autoversicherung und den Nationalparkeintritt bezahlen. Das dauert ungeplant etwas länger, müssen wir uns doch zumindest so lange da aufhalten, bis Micha das Zelt auf der anderen Seite der großen Sandplatte aufgebaut hat. Wir überbrücken das noch mit einem Bier und Diskussionen über Drohnen und GPS-Tracker. Wieder am Platz angekommen, steht das Zelt und wir kochen gemeinsam Spaghetti mit Thunfisch-Tomatensoße. Dazu kühles Dosenbier und ein Glas Rotwein. Das Ganze bei Vollmond. Geht´s uns gut.

Tag 12 – ab in den Sand

Nach einer einprägsamen und ruhigen Nacht mit fantastischem Sternenhimmel und beinahe Vollmond genießen wir den Sonnenaufgang vor dem Zelt bei einer guten Tasse Kaffee. Das Zelt ist schnell abgebaut und wir bestaunen die Aktivitäten der Afrikaner, die im Rhythmus den Sand in der Wüste von einem Haufen auf den nächsten schippen.

Wieder unsere drei Fragen:

Woher kommen sie ? Wohin gehen sie ? Und was machen sie da ?

Tatsächlich erreicht uns der Wüstenführer, der gleichzeitig Souvenirverkäufer ist. Statt Souvenire zu erwerben, schenken wir ihm etwas von unserem Tee, sowie Stifte und Blöcke für seine zwei Kinder. Damit zieht er happy von dannen.

Wir erhalten noch ein Briefing für den nächsten Abschnitt und starten dann im Konvoi für 200 km bis zur ersten Offroad-Etappe. Zunächst jedoch gibt es ein ´Fahren-im-Sand-Briefing´, das unnötigen Verzögerungen und Schäden vorbeugen soll. Dann werden wir in eine 1,5 Std. Pause entlassen. Diese wird von einem Team dazu genutzt, die Snowboards im Sand zu testen, was nur mit mäßigem Erfolg gelingt. Andere drehen mit ihren V8-Boliden munter staubige Kreise und sind gar nicht mehr zu stoppen……..

Nun setzt sich der Tross in Bewegung. Sehr schnell erkennen wir, wo unser Platz ist: rechts aussen – denn der Wind kommt von dort. Alles andere fährt im Staub der Nebenleute. So cruisen wir dahin und überlassen das Racing den anderen, von denen wir auch den ersten nach wenigen Metern aus dem Sand ziehen. Immer wieder hält der auseinander gezogene Tross an, um zusammen zu finden und dann schnell routiniert das Zelt im letzten Schein der Sonne aufgebaut und los geht’s mit Kochen. Kartoffeln mit Gemüse ´all you can find´. Kam gut. Dazu eine gute Flasche schwäbischen Rotweins bei Vollmond und wegen des fettigen Essens gabs noch Anis-Schnaps. Team Schweiz spendiert süße Patisserie und so heißt es dann bei Gitarrenmusik vom Partyteil der Challenge wieder ´Gute Nacht, John-Boy´.

Tag 11 – von Dakhla ins Wüstenhotel oder wie transferieren wir einen geklauten Cayenne nach Senegal

nach einer wunderbar ruhigen Nacht bei guter Luft und sagenhaftem Blick aufs Meer bekommen wir nach etwas Diskussion das beste Frühstück der bisherigen Reise.

Der Tag fängt fantastisch an. Total entspannt cruisen wir zum vereinbarten Treffpunkt und sind auch pünktlich (also zwei Stunden vor der Zeit) da. So können wir noch ein wenig Small-Talk betreiben und den Blog von gestern erstellen. Briefing ist pünktlich um 10 Uhr. Torsten erwähnt unseren gestrigen Suchalgorythmus durch Dakhla als absolut sehenswert auf dem GPS-Tracker. Auch unsere treuen Stalker melden sich, nachdem wir das dritte Mal auf und ab sind.

Wir ergänzen noch unsere Wasservorräte – Twix gibt es mal wieder nicht – und so müssen wir auf Mars ausweichen. Guten Mutes geht es auf die Route, die nicht viel Spannendes bietet. Wir überschreiten den Wendekreis des Krebses, den wir auch gewissenhaft ignorieren. Ein kleiner Besuch des neben der Straße liegenden Meeres bringt doch Ernüchterung: Das Plastikproblem ist allgegenwärtig. Die auf die Ferne zumindest teilweise noch intakt scheinende Natur leidet gewaltig. Überall Plastikflaschen, Kanister und Reste von Netzen. Daneben eine ärmliche Behausung –  derzeit nicht bewohnt.

Zu einer kurzen Vesperpause suchen wir uns den einzigen Busch weit und breit und öffnen da die extra für diese Zwecke mitgebrachte Fischdose mit Tomatensoße. Bietet sich genau heute an, da ich ein weißes Leinenhemd trage. Aber es geht gut, nachdem Micha die Dose öffnet und ich 8 m entfernt stehe. Somit wird nur die Stoßstange des Autos in Mitleidenschaft gezogen und die Mischung aus Dust, Diesel und Tomatensoße ist – sagen wir mal – speziell.

Noch ein paar Wüstenblumen fotografiert und es geht weiter. Unterwegs gibt es nichts Spektakuläres mehr, ausser ein/zwei ausgebrannte Autowracks – eines davon noch leicht glimmend und ein überfahrenes Kamel am Strassenrand. Das muß schon länger her sein.

Am Ziel nochmals den Tank gefüllt und dann eingecheckt ins Hotel, wobei wir feststellen mussten, dass die Schweizer schon da sind. Heute also ein guter zweiter Platz.

Nach einer guten Tasse Kaffee und den inzwischen schon üblichen Madeleines kümmern wir uns noch ein wenig ums Auto. Wir putzen Scheiben, prüfen Flüssigkeitsstände … und alles ist ticki-tacki.

Nebenbei spricht mich ein Senegalese an, der anhand des Nummernschildes unsere Herkunft abgeleitet hat und bittet mich, einen deutschen Text zu übersetzen. Der jugendliche Freund hatte in Deutschland einen fast neuen Porsche Cayenne von einem Russen erworben und soll ihn nach Senegal überführen. Nun haben ihn die Marrokaner an der Grenze nach Mauretanien rausgezogen und ihm erklärt, das Auto sei gestohlen. Für ihn unfassbar, hatte er doch eine Menge Geld hingelegt und dem Handschlag des Verkäufers vertraut – es gibt also keinen Kaufvertrag. Seiner Bitte folgend, habe ich mal über nicht näher benannte Kanäle angefragt und tatsächlich ist das Auto in der EU als gestohlen gemeldet. Diese Information und die damit verbundenen Diskussionen brachten uns einen erfüllten Nachmittag und ein nicht gerade erquickliches Telefonat mit dem Empfänger des Fahrzeugs. Um Geld und Auto geprellt war der junge Kurierfahrer eine Erfahrung reicher. Die genauen Umstände werden wir wohl nie rausbekommen – wer ist Täter, wer ist Opfer und wofür um alles in der Welt braucht man einen Cayenne in Senegal ? Auf alle Fälle eine spannende Geschichte, um die sich in den Teams schnell Mythen bilden und Geschäftsideen entwickeln. Na ja, wir werden das Auto morgen sehen und vielleicht können wir es mit ein paar Päckchen Tee auslösen….

Nach einem formidablen Abendessen (Tagine), bei dem wir Gemüse erwartet und Hühnchen bekommen haben, gehen wir noch auf den Parkplatz, uns ein wenig bei einem Glas Wein die Füße vertreten. So erfahren wir einerseits, dass Benzin gerade aus ist und ein paar Teams bangen, andererseits erleben wir das Nachtleben des kleinen Wüstenorts. Auch hier gibt es Poser. Einen habe ich sofort ins Herz geschlossen – er ist der Coolste von allen, fährt einen alten Serie3-Landrover-Abschleppwagen, dem er liebevoll rote Scheinwerfer implantiert hat, ergänzt mit Arbeitsscheinwerfern, einer orangen Rundum-Leuchte und einer Mörder-Stereoanlage macht das Auto mächtig was her. Innendrin wurden auch ein paar Veränderungen vorgenommen: gefühlt 50 Würfel wackeln an der Frontscheibe rum, das Armaturenbrett ist mit Lammfell abgedeckt und es riecht wie … Der Fahrer ist begeistert von meinem Interesse und möchte unbedingt Whisky haben. Er sei liberal. Mit diesem Hinweis zeigt er auf eine Handvoll leerer Bierdosen im Fußraum. Was er in dieser Nacht noch alles abschleppt werden wir wohl nie erfahren…

Micha macht währenddessen die Dorfjugend glücklich, indem er seinen ersten Ball herschenkt – nicht ahnend, dass das in einer mittleren Katastrophe endet. Die Jungs kicken in Ermangelung eines Bolzplatzes direkt auf der nebenan verlaufenden Autobahn (was allerdings einer guten Landstrasse bei uns entspricht). Der Wächter belehrt sie, und um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, schmeißt er einen Stein nach den Jungs. Dem arabischen nicht mächtig, lässt sich trotzdem ableiten, dass sie ihn ein A*******ch nennen. Die Jungs ohne Ball kommen ständig her und betteln auch um einen. Na ja – so kann´s gehen.

Bei einem  Feierabendbierchen lassen wir den Abend ausklingen und John-Boy schläft bereits neben mir. Er träumt davon, wie man ein wertiges Unimog-Cabrio-Führerhaus vom freundlichen Teilehändler aus Südmarokko nach Heilbronn bekommt. Das ist eines von zwei Projekten, die morgen vor Abfahrt um 11 Uhr abgeschlossen sein müssen. Das zweite heißt – woher bekommen wir auf die Schnelle einen neuen Beifahrersitz für einen Mercedes Sprinter.

Wahrscheinlich sind wir die nächsten Tage nicht online – das heißt nicht, dass wir untätig sind oder keinen Bock haben… aber auch hier hat die Technik ihre Grenzen – lasst euch überraschen. Sowie sie wieder funktioniert, hört ihr von uns – versprochen ! Morgen gehts dann über die Grenze nach Mauretanien…